Ende Dezember 2024 bin ich nach mehr als sechs Jahren im Fujifilm-X-System von meiner X-Pro2 auf eine Fujifilm X-H2 umgestiegen. Oder besser gesagt: Ich habe meinen Kamera-Fuhrpark um eine X-H2 erweitert. Meine X-Pro2 besitze ich natürlich immer noch und werde sie wohl auch nie verkaufen.
Eigentlich hatte ich lange auf einen Nachfolger der X-Pro3 gewartet und wurde diesbezüglich von Fujifilm bis heute enttäuscht. Rückblickend bin ich darüber aber gar nicht mehr so unglücklich. Meine fotografischen Interessen haben sich in den vergangenen Jahren verändert. Neben der Reise- und Landschaftsfotografie beschäftige ich mich mittlerweile immer intensiver mit der Tier- und insbesondere der Vogelfotografie.
Und dafür ist die X-H2 schlicht die geeignetere Kamera. Was ich anfangs eher als Kompromiss betrachtet habe, hat sich inzwischen als ausgesprochen gute Entscheidung herausgestellt.
In diesem Erfahrungsbericht möchte ich deshalb nicht irgendwelche technischen Daten wiederholen, sondern auf die Dinge eingehen, die mir im täglichen Umgang mit der Kamera positiv und negativ aufgefallen sind.
Update Oktober 2026: Den ursprünglichen Erfahrungsbericht habe ich um einige Erfahrungen ergänzt, die ich inzwischen bei zahlreichen Fototouren und insbesondere in der Vogelfotografie sammeln konnte.
Wieso die X-H2 und nicht die X-T5?

Warum habe ich nicht zur X-T5 gegriffen? Immerhin folgt diese mit ihren klassischen Einstellrädern deutlich stärker dem von Fujifilm gerne beworbenen „Photography First“-Ansatz, während die X-H2 eher als Hybridkamera für Foto und Video konzipiert wurde.
Das hatte mehrere Gründe. Zum Zeitpunkt meines Kaufs gab es eine Cashback-Aktion von Fujifilm, durch die die X-H2 sogar günstiger war als die X-T5. Ausschlaggebend war für mich allerdings die technische Ausstattung. Der höher auflösende Sucher, der größere Pufferspeicher bei Serienaufnahmen und die Möglichkeit, schnelle CFexpress-Typ-B-Speicherkarten zu verwenden, sprachen für die X-H2.
Hinzu kam der deutlich ausgeprägtere Handgriff. Gerade bei der Verwendung größerer Teleobjektive wie meinem XF100-400 liegt mir die X-H2 wesentlich besser in der Hand.
Auch die X-H2S hatte ich damals in Betracht gezogen. Letztendlich habe ich mich aber bewusst für die höhere Auflösung und gegen die höhere Geschwindigkeit entschieden. Weshalb, darauf möchte ich im nächsten Abschnitt etwas genauer eingehen.
40 Megapixel – mehr Spielraum beim Croppen
Einer der wesentlichen Gründe für meine Entscheidung war der 40-Megapixel-Sensor der X-H2. Mit meiner X-Pro2 und ihren 24 Megapixeln hatte ich insbesondere bei der Vogelfotografie immer wieder festgestellt, dass man beim nachträglichen Zuschneiden der Bilder relativ schnell an Grenzen stößt.
Selbst mit einem Teleobjektiv wie dem XF100-400 lassen sich Tiere schließlich nicht immer so nah fotografieren, wie man es gerne hätte. Gerade kleinere Vögel sitzen häufig in einiger Entfernung und nicht selten muss man bei der Bildbearbeitung einen erheblichen Teil des ursprünglichen Bildes wegschneiden.
Die Entscheidung für die 40 Megapixel hat sich für mich rückblickend absolut gelohnt. Ich kann meine Aufnahmen deutlich stärker croppen, ohne dabei in der Praxis signifikante Qualitätseinbußen feststellen zu müssen. Natürlich kann auch ein hochauflösender Sensor keine Details herbeizaubern, die das Objektiv nicht auflösen konnte. Die zusätzlichen Reserven sind aber gerade bei der Vogelfotografie ein enormer Vorteil.
Ein Beispiel dafür ist die folgende Aufnahme eines Eisvogels an der Ilz bei Passau. Trotz 400 mm Brennweite war der Vogel noch relativ weit entfernt. Durch die hohe Auflösung konnte ich das Bild dennoch stark zuschneiden und ein für mich zufriedenstellendes Ergebnis erzielen.


Die höhere Auflösung ersetzt also keine längere Brennweite, bietet mir aber genau die zusätzliche Flexibilität, die ich mir beim Kauf erhofft hatte.
Bildqualität, Rauschverhalten und Dynamikumfang
Mit der Bildqualität der X-H2 bin ich nach wie vor sehr zufrieden. Umfangreiche Vergleichstests oder irgendwelche Messreihen habe ich allerdings nicht durchgeführt. Dafür fehlt mir ehrlich gesagt auch das Interesse. Für mich zählt letztendlich, welche Ergebnisse ich mit der Kamera in der Praxis erzielen kann.
Besonders positiv überrascht hat mich das Rauschverhalten des hochauflösenden APS-C-Sensors. Immerhin verteilen sich hier 40 Megapixel auf eine vergleichsweise kleine Sensorfläche. Gegenüber dem älteren 24-Megapixel-Sensor meiner X-Pro2 kann ich in der Praxis dennoch kaum nennenswerte Nachteile feststellen.
Auch beim Dynamikumfang sind mir keine wesentlichen Unterschiede aufgefallen. Die Detailauflösung ist dank der höheren Auflösung ohnehin hervorragend und gehört für mich zu den größten Stärken der X-H2.
Natürlich rauschen auch die RAW-Dateien der X-H2 bei hohen ISO-Werten und insbesondere bei starken Ausschnitten sichtbar. Das sollte bei einem APS-C-Sensor niemanden überraschen. Allerdings lassen sich die Aufnahmen mit Capture One Pro in vielen Fällen sehr gut bearbeiten, sodass ich auch bei höheren ISO-Werten noch ansprechende Ergebnisse erziele. Wenn dann endlich auch für X-Trans-Sensoren das Enhanced Denoise C1 Pro vorhanden ist, relativiert sich das Thema nochmals.
Fujifilms Farben und Filmsimulationen
Ein weiterer Punkt, der für mich ganz wesentlich zum Fujifilm-Erlebnis gehört, ist die Farbwiedergabe. Ich halte die Color Science von Fujifilm nach wie vor für ungeschlagen. Natürlich ist das eine subjektive Einschätzung, aber die Farben, die mir eine Fujifilm-Kamera liefert, treffen einfach genau meinen Geschmack. Besonders die natürlichen Grüntöne, die Hautfarben und die insgesamt harmonische Farbwiedergabe gefallen mir ausgesprochen gut.
Hinzu kommen die zahlreichen Filmsimulationen, mit denen Fujifilm seinen Kameras unterschiedliche Bildcharakteristiken mitgibt. Was ich daran besonders schätze: Selbst wenn ich ausschließlich im RAW-Format fotografiere, kann ich die Filmsimulationen bei der späteren Bearbeitung in Capture One Pro noch verändern. Ich muss mich also nicht bereits bei der Aufnahme auf einen bestimmten Bildlook festlegen, sondern kann beispielsweise zwischen Provia, Velvia oder Classic Chrome wechseln und die Aufnahme anschließend ganz nach meinen Vorstellungen weiterbearbeiten.
Für mich ist das einer der größten Vorzüge des Fujifilm-X-Systems. Natürlich lassen sich auch die RAW-Dateien anderer Hersteller entsprechend bearbeiten. Allerdings gefallen mir die von Fujifilm angebotenen Farbcharakteristiken so gut, dass ich häufig bereits mit wenigen Anpassungen zum gewünschten Ergebnis komme.

Haptik, Sucher und Bedienkonzept
Wirklich gut gefällt mir die Haptik der X-H2. Die Verarbeitung ist solide, so wie ich es von Fujifilm gewohnt bin. Auch nach zahlreichen Fototouren sieht das Gehäuse noch hervorragend aus. Nichts ist auffällig abgewetzt oder abgegriffen. Lange Zeit zeigte sich das Kameragehäuse makellos, allerdings setzt wohl meine Trageweise den Kanten zu: Ich trage die X-H2 gerne mit dem Peak Design Slide Lite Gurt quer über die Schulter und das führt wohl zu erhöhter Reibung an der Jacke oder Oberteil. Nach vielen vielen Kilometern hat sich das eben an den Kanten bemerkbar gemacht, die an der Kleidung scheuert: Der schwarze Lack wurde abgescheuert. Für mich nicht weiter tragisch und schlussendlich meiner Trageweise geschuldet.
Ich fasse die Kamera einfach gerne an. Das kann Fujifilm meiner Meinung nach ausgesprochen gut.
Der elektronische Sucher ist für mich als Brillenträger jederzeit sehr gut ablesbar und lässt für mich praktisch keine Wünsche offen. Auch das vollständig schwenkbare Display gefällt mir inzwischen besser, als ich ursprünglich erwartet hätte.
Die meiste Zeit nutze ich es nämlich umgedreht, also mit der Displayfläche zum Gehäuse. Damit ist es jederzeit geschützt und ich habe auf der Rückseite der Kamera keine ständig leuchtende Anzeige sobald ich die Kamera vom Auge nehme. Wenn ich auf dem Stativ fotografiere oder filme, lässt sich das Display dagegen einfach zur Seite ausklappen.
Da ich ohnehin geschätzt 90 Prozent meiner Aufnahmen durch den Sucher mache, bevorzuge ich diese Lösung mittlerweile sogar gegenüber dem Klappdisplay der X-T5. Zumal man mit sich einstellender Weitsichtigkeit durch den Sucher deutlich einfacher das Foto beurteilen kann, als auf dem Display.
Erstaunlicherweise komme ich auch mit dem PSAM-Bedienkonzept der X-H2 ausgesprochen gut zurecht. Dabei muss ich gestehen, dass ich lange der Meinung war, PSAM an einer Fujifilm sei der absolute Frevel. Schließlich waren für mich die klassischen Einstellräder für Belichtungszeit und ISO sowie der Blendenring am Objektiv immer ein wesentlicher Bestandteil des Fujifilm-Erlebnisses.
Mittlerweile sehe ich das etwas differenzierter. Wie so oft kommt es auf den jeweiligen Anwendungsfall an.
Während ich bei der Reise- und Dokumentationsfotografie die klassische Bedienung meiner X-Pro2 nach wie vor sehr schätze, bieten mir die frei konfigurierbaren Custom-Speicherplätze der X-H2 bei der Tierfotografie deutliche Vorteile. Mit einem kurzen Dreh am Moduswahlrad kann ich zwischen unterschiedlichen Aufnahmesituationen wechseln.
Und eines habe ich dabei festgestellt: Der Blendenring am Objektiv ist für mich eigentlich das entscheidende Bedienelement, das Fujifilm von vielen anderen Kamerasystemen unterscheidet. Den habe ich schließlich unabhängig davon, welches Kameragehäuse ich verwende.

Meine Custom-Einstellungen
Folgende Schwerpunkte habe ich auf die Custum-Plätze gelegt:
- C1: AF-C mit Objekterkennung, Einzelfotos
- C2: AF-C mit Augenerkennung oder (meistens) Vogelerkennung, Serienbildaufnahme
- C3: AF-S mit Einzelfotos für statische Aufnahmen, wie Landschaften
- C6: Video-Settings für schnelle Filmaufnahmen zwischen den Fotos. Wenn nötig mit Vogelerkennung.
Eine Sache stört mich bei den Custom-Speicherplätzen allerdings bis heute: Änderungen, die ich während der Nutzung eines Profils vornehme, werden unmittelbar gespeichert. Passe ich beispielsweise für eine bestimmte Aufnahmesituation die ISO-Einstellungen oder die Belichtungskorrektur an, bleibt diese Änderung anschließend im Profil erhalten.
Ich würde mir wünschen, dass solche Anpassungen zunächst nur temporär gelten und man selbst entscheiden kann, ob sie dauerhaft gespeichert werden sollen. So ist es mir bereits mehrfach passiert, dass ich unbemerkt Einstellungen verwendet habe, die für die jeweilige Situation eigentlich nicht vorgesehen waren.
Fotografieren und Filmen – die X-H2 als Hybridkamera
Ursprünglich stand für mich beim Kauf der X-H2 ganz klar die Fotografie im Vordergrund. Mittlerweile habe ich aber auch zunehmend Freude daran gefunden, neben meinen Fotos kurze Videosequenzen aufzunehmen. Gerade auf Reisen oder bei meinen Streifzügen durch die Natur entstehen so immer wieder kleine Clips, die ich anschließend für Instagram-Reels oder Urlaubsfilme verwende.
Und genau hier spielt die X-H2 ihre Stärken als Hybridkamera aus. Dank der frei konfigurierbaren Custom-Speicherplätze kann ich schnell zwischen unterschiedlichen Aufnahmesituationen wechseln, ohne mich jedes Mal durch zahlreiche Menüs arbeiten zu müssen. Das ist gerade unterwegs ausgesprochen praktisch, wenn ich beispielsweise während einer Wanderung spontan eine interessante Szene filmen möchte.
Dabei muss ich gestehen, dass ich den Hybridgedanken der X-H2 beim Kauf noch gar nicht so sehr im Fokus hatte. Inzwischen nutze ich die Videofunktionen aber regelmäßig und möchte diese Flexibilität auch nicht mehr missen.
Für mich ist die X-H2 damit längst nicht mehr nur eine Fotokamera, die zufällig auch filmen kann, sondern ein Werkzeug, mit dem ich beide Bereiche sehr gut miteinander verbinden kann.
Autofokus – großer Fortschritt mit Verbesserungspotenzial
Kommen wir zu einem Punkt, bei dem ich etwas zwiegespalten bin: dem Autofokus.
Gegenüber meiner X-Pro2 ist die X-H2 natürlich ein gewaltiger Fortschritt. Allein die Motiverkennung hat meine Möglichkeiten in der Tier- und Vogelfotografie deutlich erweitert. Die Kamera erkennt Tiere und insbesondere Vögel in der Regel sehr zuverlässig und findet häufig sogar das Auge des Motivs.
Allerdings bedeutet eine zuverlässig funktionierende Motiverkennung noch lange nicht, dass der Fokus tatsächlich dort sitzt, wo er sitzen soll.
Immer wieder stelle ich fest, dass die Kamera zwar das Auge eines Vogels erkennt und verfolgt, die tatsächliche Schärfeebene aber etwas dahinter oder davor liegt. Statt des Auges ist dann beispielsweise das Gefieder am Hinterkopf scharf. Teilweise bleibt dieser Fehler sogar über mehrere Aufnahmen bestehen. Erst wenn ich den Auslöser loslasse und erneut fokussiere, stimmt die Schärfe wieder – oder eben auch nicht.
Besonders deutlich wird das bei Serienbildaufnahmen. Bei meinen Aufnahmen aus der Hand, und ich fotografiere mit dem Teleobjektiv praktisch ausschließlich freihändig, liegt die Ausbeute an wirklich scharfen Bildern häufig nur bei etwa 80 Prozent.
Das ist selbstverständlich keine wissenschaftlich ermittelte Trefferquote, sondern meine persönliche Erfahrung aus der Praxis. Je nach Motiv, Lichtverhältnissen und Bewegung fällt das Ergebnis auch unterschiedlich aus.
Inwieweit mein inzwischen etwas betagtes XF100-400 dazu beiträgt, kann ich nicht abschließend beurteilen. Mit neueren Teleobjektiven wie dem XF150-600, dem XF500 oder dem jüngsten XF400 fehlen mir schlicht die eigenen Erfahrungen. Gut möglich also, dass sich mit moderneren Objektiven bessere Ergebnisse erzielen lassen.
In den vergangenen Jahren hat Fujifilm außerdem mehrfach versucht, die Autofokus-Leistung durch Firmware-Updates zu verbessern. Dabei gab es allerdings auch Versionen, deren AF-Verhalten von Anwendern kritisch beurteilt wurde. Ich selbst nutze die X-H2 seit der Firmware-Version 5.1 und kann deshalb nicht beurteilen, wie gut oder schlecht frühere Versionen tatsächlich funktioniert haben.
Trotz dieser Kritik ist der Autofokus für meine Zwecke insgesamt ausreichend. Die X-H2 ermöglicht mir Aufnahmen, die mit meiner X-Pro2 in dieser Form kaum möglich gewesen wären. Gerade bei Vögeln im Flug oder sich schnell bewegenden Tieren ist der Fortschritt enorm.

Natürlich würde ich mir eine noch höhere Trefferquote wünschen. Allerdings ist der Autofokus für mich kein ausreichender Grund, gleich das gesamte Kamerasystem zu wechseln.
Vielmehr hoffe ich, dass Fujifilm bei einer zukünftigen X-H3 (für 2027 erwartet) hier einen deutlichen Schritt nach vorne macht. Besonders interessant finde ich in diesem Zusammenhang die Gerüchte über eine mögliche Zusammenführung der X-H- und X-HS-Baureihen. Sollte Fujifilm tatsächlich einen teilweise gestapelten, sogenannten Semi-Stacked-Sensor einsetzen, könnte das ein interessanter Kompromiss zwischen hoher Auflösung und schneller Sensorauslesung werden.
Ob es tatsächlich so kommt und welche Vorteile das für den Autofokus bringen würde, bleibt natürlich abzuwarten.
X-H2 oder X-H2S – würde ich mich wieder so entscheiden?
Diese Frage habe ich mir in den vergangenen Jahren durchaus häufiger gestellt. Gerade bei der Vogelfotografie gibt es Situationen, in denen ich mir die Geschwindigkeit einer X-H2S wünschen würde.
Deren Stacked-Sensor bietet eine wesentlich schnellere Sensorauslesung, was insbesondere bei bewegten Motiven und der Nutzung des elektronischen Verschlusses Vorteile mit sich bringt. Auch die höhere Serienbildgeschwindigkeit kann bei schnellen Bewegungsabläufen hilfreich sein.
Andererseits nutze ich die hohe Auflösung der X-H2 regelmäßig und möchte die zusätzlichen Reserven beim Croppen nicht mehr missen. Letztendlich würde ich mich deshalb auch heute wieder für die X-H2 entscheiden. Für meine Art der Fotografie ist die Kombination aus 40 Megapixeln, guter Bildqualität und ausreichend hoher Geschwindigkeit der bessere Kompromiss.
Ideal wäre für mich natürlich eine zukünftige X-H3, die beide Welten miteinander verbindet: die hohe Auflösung der X-H2 und einen deutlich schnelleren und zuverlässigeren Autofokus.
CFexpress, RAW-Dateigrößen und die Anforderungen an den Rechner
Zum Schluss noch ein paar Worte zum Zubehör und zu den weniger offensichtlichen Nachteilen der hohen Auflösung.
Mit den Speicherkarten von Lexar habe ich bislang ausschließlich gute Erfahrungen gemacht. In meiner X-H2 verwende ich eine Lexar Professional CF Express Typ B der Gold-Serie sowie eine Lexar Professional 2000x SDXC UHS-II mit jeweils 128 GB.
Ob bei sengender Hitze in Griechenland oder bei Minusgraden im Bayerischen Wald – Probleme hatte ich mit den Karten bislang keine.
Etwas unpraktisch ist allerdings, dass ich für die CFexpress-Karte einen zusätzlichen Kartenleser benötige. Während viele Notebooks zumindest einen SD-Kartenleser besitzen, ist ein integrierter CFexpress-Leser eher die Ausnahme. Das gilt auch für mein MacBook.
Deutlich stärker bemerkbar macht sich die hohe Auflösung allerdings bei der anschließenden Bildbearbeitung. Die RAW-Dateien der X-H2 sind naturgemäß wesentlich größer als die 24-Megapixel-Dateien meiner X-Pro2 und fordern entsprechend mehr Leistung vom Rechner.
Insbesondere beim Durchsehen und Aussortieren größerer Bildserien in Capture One Pro merke ich einen deutlichen Unterschied. Das Wechseln zwischen den einzelnen Aufnahmen, also das sogenannte Culling, läuft spürbar träger als mit den kleineren RAW-Dateien meiner X-Pro2. Gerade nach einer längeren Fototour mit mehreren hundert Aufnahmen ist das durchaus störend. Hier wird wohl irgendwann ein Upgrade auf ein aktuelles MacBook fällig ;-)
Die 40 Megapixel bringen also nicht nur Vorteile mit sich. Wer die hohe Auflösung nutzen möchte, sollte auch die Anforderungen an Speicherplatz und Rechnerleistung berücksichtigen.
Als Kameragurt verwende ich übrigens weiterhin den Peak Design Slide Lite, während ich an meiner X-Pro2 den schmaleren Leash bevorzuge. Beide haben sich für mich über die Jahre bewährt.

Fujifilm X – ein unterschätztes Kamerasystem?
Eine Sache finde ich unabhängig von der X-H2 ausgesprochen schade: Das Fujifilm-X-System führt meiner Meinung nach gegenüber den Vollformatsystemen von Sony, Canon und Nikon ein gewisses Schattendasein – zumindest in der Naturfotografie.
Wer sich heute mit hochwertiger Fotoausrüstung beschäftigt, bekommt häufig den Eindruck vermittelt, dass Vollformat praktisch alternativlos sei, wenn man höchste Bildqualität erreichen möchte. APS-C wird dagegen nicht selten als Kompromiss oder als Einstieg in die ambitionierte Fotografie betrachtet. Diese Sichtweise kann ich aus meiner eigenen Erfahrung nicht nachvollziehen.
Natürlich hat Vollformat physikalische Vorteile. Insbesondere beim Rauschverhalten unter schwierigen Lichtbedingungen und bei der Freistellung von Motiven bietet der größere Sensor zusätzliche Möglichkeiten. Diese Unterschiede möchte ich auch gar nicht kleinreden.
Allerdings bin ich der Meinung, dass das Fujifilm-X-System hinsichtlich der Bildqualität durchaus mit vielen Vollformatsystemen konkurrieren kann. Gerade bei guten Lichtverhältnissen und mit hochwertigen Objektiven sehe ich für meine fotografischen Ansprüche kaum einen Grund, weshalb ich zwingend einen größeren Sensor benötigen sollte.
Hinzu kommt, dass Fujifilm über viele Jahre ein ausgesprochen umfangreiches und hochwertiges Objektivsortiment speziell für APS-C aufgebaut hat. Anders als bei manchen anderen Herstellern ist APS-C hier nicht nur eine Ergänzung zum Vollformatsystem, sondern der eigentliche Mittelpunkt des Systems.
Das zeigt sich für mich auch bei den Objektiven. Fujifilm bietet zahlreiche hervorragende Festbrennweiten und Zoomobjektive, die in puncto Bildqualität wenig Wünsche offenlassen. Gleichzeitig können sie gegenüber vergleichbaren Vollformatlösungen teilweise deutlich günstiger, kleiner und leichter ausfallen.
Natürlich gilt das nicht pauschal. Auch im Fujifilm-X-System gibt es große, schwere und teure Objektive. Und moderne Vollformatsysteme bieten inzwischen ebenfalls erstaunlich kompakte Lösungen. Der tatsächliche Unterschied hängt also immer davon ab, welche Objektive man miteinander vergleicht.
Trotzdem bietet mir Fujifilm mit der X-H2 und meinen vorhandenen Objektiven einen ausgesprochen guten Kompromiss aus Bildqualität, Preis, Größe und Gewicht.
Gerade wenn ich mit meiner Kameraausrüstung auf längeren Wanderungen oder auf Reisen unterwegs bin, spielt das durchaus eine Rolle. Ich möchte schließlich nicht nur fotografieren, sondern auch die Natur erleben, ohne unnötig viel Ausrüstung mit mir herumzutragen. Oder man hat abseits des Fotoequipments noch andere Ausrüstung dabei, v.a. auf Reisen.
Und vielleicht ist das auch der entscheidende Punkt: Für mich ist nicht die Kamera mit dem größten Sensor automatisch die beste, sondern diejenige, die zu meiner Art der Fotografie passt.
Ich würde mir deshalb wünschen, dass Fujifilm mit seinem X-System etwas mehr Aufmerksamkeit im Kontext der Naturfotografie bekommt. Meiner Meinung nach hat es das durchaus verdient, zumal es mittlerweile mit dem XF500 F5.6 und dem XF400 F4.5 wirklich tolle Objektive für die Wildlife- und Naturfotografie gibt.
Fazit – würde ich die X-H2 wieder kaufen?
Auch nach fast zwei Jahren bin ich mit meiner Entscheidung für die Fujifilm X-H2 sehr zufrieden. Sie hat meine Fotografie stärker verändert, als ich beim Kauf ursprünglich erwartet hätte.
Insbesondere die Tier- und Vogelfotografie hat für mich inzwischen einen wesentlich höheren Stellenwert. Die Kombination aus Motiverkennung, integriertem Bildstabilisator und hoher Auflösung eröffnet mir Möglichkeiten, die ich mit meiner X-Pro2 in dieser Form nicht hatte.
Aber auch bei der Landschafts- und Makrofotografie überzeugt mich die Kamera. In Verbindung mit meinem XF23 F1.4 oder dem XF80 Makro entstehen hervorragende Aufnahmen mit hoher Detailauflösung und den für mich typischen Fujifilm-Farben.
Mittlerweile nutze ich die X-H2 außerdem längst nicht mehr ausschließlich zum Fotografieren. Gerade auf Reisen und bei meinen Touren durch die Natur nehme ich zunehmend auch Videosequenzen auf, die später in Reels oder Urlaubsfilmen Verwendung finden. Die Möglichkeit, dank der Custom-Speicherplätze schnell zwischen Foto- und Videoeinstellungen zu wechseln, macht die X-H2 für mich zu einer ausgesprochen vielseitigen Kamera.
Außerdem habe ich den Formfaktor der X-H2 ausgesprochen schätzen gelernt. Der ausgeprägte Handgriff, das praktische Schulterdisplay und das vollständig schwenkbare Display passen einfach sehr gut zu meiner Art der Fotografie. Tatsächlich würde ich die X-H-Baureihe inzwischen sogar der X-T-Serie vorziehen. Das hätte ich vor einigen Jahren, als ich noch ausschließlich mit meiner X-Pro2 unterwegs war, vermutlich selbst nicht erwartet.
Natürlich ist die X-H2 keine besonders kleine oder leichte Kamera. Für ein APS-C-Gehäuse fällt sie sogar vergleichsweise groß aus. Dennoch empfinde ich Größe und Gewicht auch auf längeren Wanderungen als gut vertretbar. Dafür passt sie wunderbar auch in größere Hände und lässt sich auch mal mit (leichten) Handschuhen bedienen.
Der Autofokus bleibt für mich die größte Schwäche. Hier hat Fujifilm meiner Meinung nach weiterhin Nachholbedarf. Trotzdem überwiegen für mich die positiven Eigenschaften deutlich.
Würde ich die X-H2 heute wieder kaufen? Ganz klar ja!
Einen Wechsel zu einem anderen Kamerasystem ziehe ich derzeit nicht ernsthaft in Betracht. Dafür schätze ich das Fujifilm-X-System, seine Objektive, die Farben und nicht zuletzt die Haptik der Kameras viel zu sehr.
Und wer weiß, vielleicht wird meine nächste Kamera tatsächlich eine X-H3 und keine X-Pro4. Vorausgesetzt natürlich, Fujifilm gelingt beim Autofokus endlich der erhoffte große Sprung.
Wie sind eure Erfahrungen mit der Fujifilm X-H2 oder dem Fujifilm-X-System allgemein? Seid ihr mit der Bildqualität und dem Autofokus zufrieden oder habt ihr euch vielleicht sogar bewusst gegen Vollformat entschieden? Ich freue mich auf eure Erfahrungen und Fragen in den Kommentaren!

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