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Smart Home bzw. Gebäudeautomatisierung war für mich seit dem Hausbau 2014 ein interessantes Thema, das wohl auch meinem beruflichen Hintergrund geschuldet ist. 2014 war die Automatisierung seines Eigenheims in weiten Teilen aber auf KNX (teuer) oder FHEM beschränkt. Home Assistant war in dieser Zeit (zumindest mir) noch unbekannt und steckte in den Kinderschuhen. Das größte Problem war damals geeignete Sensoren/Aktoren zu finden, die Auswahl war noch sehr gering oder die Integration war sehr aufwendig. Aus diesem Grund habe ich damals auch keine elektrischen Rollos „klassisch“ automatisiert und dafür eine SIMATIC S7 1200 genutzt, die per Koppelrelais die Rollo-Motoren anspricht. Das war’s dann auch schon mit Automatisierung. Über die Zeit kamen zwar allerhand Philips Hue Leuchten und ein paar schaltbare Steckdosen hinzu, die ich per Echo und Alexa steuere, aber tiefer eingestiegen bin ich nicht.
So wirklich ins Nachforschen und Grübeln brachte mich aber die Ankündigung der smarten Rauchmelder von Google Nest. Meiner erreicht eine Mai 2025 sein „End of Life“, da der CO Sensor nicht länger als 10 Jahre betrieben werden darf. Die Produktpalette wurde von Google passenderweise endgültig eingestellt und abgekündigt. Also musste eine Alternative her. So bin ich nach einer gewissen Recherche auf die Rauchmelder von Frient gestoßen und die Möglichkeit diese per Zigbee ins Smarthome zu integrieren. So habe ich mir auf meinem KVM-Virtualisierungsserver kurzerhand eine Home Assistant VM eingerichtet und einen Sonoff Dongle Max bestellt. Letzterer ist übrigens der wahre Grund, wieso ich erst jetzt Lust hatte HA zu installieren: Mein Server läuft nämlich in einem 19Zoll-Rack in einem Nebengebäude, ein USB-Dongle am Server würde mir nicht viel bringen, da das Zigbee Signal für die Abdeckung des Wohnhauses viel zu schwach wäre. Klar, ich hätte HA auch auf einem dedizierten Gerät laufen lassen können, darauf hatte ich aber weniger Lust. Egal, der Sonoff Dongle Max jedenfalls ein geniales Gerät, um es an jedem gewünschten Ort platzieren zu können, solange dort ein Steckdose/WLAN oder Ethernet mit PoE vorhanden ist. Ich selbst setze natürlich auf PoE über mein UniFi Netzwerk. Die Installation von HA und dem Sonoff Dongle Max war denkbar einfach.
Das ganze Thema brachte mich dann auch relativ schnell auf einen Anwendungsfall der mich sowieso schon seit geraumer Zeit umtrieb: Wie kann ich meinen Hörmann Supramatic E3 Garagentorantrieb endlich „smart“ machen? Hierfür gibt es diverse proprietäre Lösungen, die mehr oder weniger gut sind. Meisten beschränkt es sich darauf nur den Antrieb per WLAN oder App anzusteuern, aber nicht, in einem globalen System mit dem restlichen Haus zu verknüpfen. Ich wollte also eine offene Lösung, die den Antrieb in Home Assistant integriert und mit der ich in der Lage bin zu einem späteren Zeitpunkt geeignete Automatisierungen zu realisieren, neben der Möglichkeit das Tor mittels HA und Smartphone zu öffnen oder zu schließen.
Benötigte Komponenten und Montage
Die Integration des Supramatic E3 in HA erfordert nur zwei Komponenten: Einen smarten Switch, der den Taster-Eingang des Torantriebs ansteuert und einen Fenster-/Türkontakt, der uns den Status sicher übermittelt, ob das Tor geschlossen ist. Ich wollte dabei Geräte, die per Zigbee kommunizieren, weshalb ich auf den neuen Shelly 1 Mini Gen4 als Taster setze und als Schließkontakt den Sonoff SNZB-04P gewählt habe.
Abhängig davon, wie und ob der Tastereingang (es sind die unteren beiden Klemmen) am Supramatic E3 bereits belegt ist, braucht man vielleicht noch die ein oder andre Wago-Klemme. Bei mir ist hier bereits ein fest verkabelter Taster angeschlossen, der sich neben dem Lichtschalter befindet. Ich wollte zuerst den Shelly hier parallel mit anschließen, dafür war der Gesamtquerschnitt der beiden Kabel aber zu groß, wobei die beiden Kabel zum Shelly keinen Kontakt herstellen konnten. Ich habe mir dann so beholfen, dass ich mit Wago-Klemmen für beide Kabelarten (Litze, Eindraht) einmal das Kabel vom physischen Taster an der Wand (Litze) mit einem Eindrahtkabel kombiniert habe, um es dann zusammen mit dem Eindraht-Kabel vom Shelly parallel zu schalten und mit einer weiteren Eindraht-Leitung auf den Tastereingang des Motors zu verbinden. Am einfachsten wäre natürlich eine Wago-Dreifachklemme gewesen, welche ich aber nicht greifbar hatte.
Den Shelly versorge ich direkt mit 230V aus der Steckdose neben dem Antrieb über einen kleinen Dreifachstecker. Angeschlossen habe ich den Shelly mittels Eurostecker-Kabel, von dem ich ein Ende abgetrennt habe. Wer keines daheim rumliegen hat, dann auch direkt ein Kabel ohne Stecker auf der Geräteseite online kaufen: Euro-Anschlussleitung.
Damit die Kabel und der Shelly nicht total lose rumbaumeln, habe ich mir ein passendes Gehäuse auf Makerworld gesucht und entsprechend 3-D-gedruckt. Für meinen Anwendungsfall fand ich die Shelly Mini Box genau passen.

Der Tür-/Fensterkontakt stellte sich als kniffler zu montieren heraus, als angenommen. Da es (zumindest bei mir) an der Schiene oder sonst wo am Tor keinen geeigneten Platz gibt, an dem man die beiden Sensorhälften sauber zueinander montieren könnte, muss ich mich auch hier mit einem 3D-Druck behelfen. Ich habe einen Adapter für einen Shelly Sensor von Makerworld genommen und ihn auf die Maße des Sonoff Sensors angepasst. Damit lässt sich der Tür-/Fensterkontakt perfekt mit doppelseitigem Klebeband oder einem Tesa Powerstrip am Sektionaltor befestigen.

Integration in Home Assistant
In HA habe ich die beiden Geräte mittels Zigbee2MQTT integriert. Der Tür-/Fensterkontakt war im Nu in Z2M verfügbar und ich habe ihm den Namen „garagenkontakt“ verpasst. Die richtige Konfiguration des Shelly war aber dann doch etwas tricky. Laut der beiliegenden Anleitung sollte man 5x den Reset-Button schnell hintereinander drücken, damit der Shelly 1 Mini in den Zigbee-Modus geht. Das habe zig mal versucht, aber wirklich geklappt hat es nie, obwohl die Firmware noch einen niedrigeren Stand als 1.7 hatte, ab der man laut Anleitung den Zigbee-Modus nur noch über das Webmenü aktivieren kann. Die Option gibt es jedoch in der niedrigen FW-Version nicht. Also habe ich zuerst die Firmware auf die zum Zeitpunkt aktuelle Version 1.7.5 hochgezogen, damit ich die Option zur Zigbee-Umschaltung erhalte. Und hier fängt es dann auch an, dass ich die Shelly Software etwas komisch empfinde: Den Umschalter finde ich zwar im Webmenü des Gerätes direkt, in der Shelly-App allerdings nicht. Bei der weiteren Einrichtung ist mir aufgefallen, das die Schaltereigenschaften nur in der App festgelegt werden können, aber nicht im Webmenü des Gerätes. Oder ich bin blind, jedenfalls habe ich es nicht gefunden, wo ich im Webmenü den Shelly 1 auf „Taster-Modus“ setzen könnte. Den Firmware-Umschalter findet man dagegen leicht (im Webmenü, nicht in der App ;-) ):
Settings -> Device Settings -> Switch to Zigbee
Nach einem Reboot befindet der Shelly 1 im Zigbee-Modus und kann per Z2M in HA integriert werden.
Danach habe ich dann die Eingangs-/Ausgangseinstellungen des Shellys unter Geräteeinstellungen in der App(!) wie nachfolgend gesetzt:
- Taster/Schaltermodus vom Eingang wählen: Taster
- Relaistyp einstellen: Stelle das Shelly Gerät so ein, dass es sich im Modus „Getrennter Schalter“ befindet -der Schalter ist vom Relais getrennt.
- Standard-Einschaltzustand des Relais festlegen: Konfiguriere das Shelly Gerät so, dass es den letzten Modus wiederherstellt, in dem es sich befand, als es mit Strom versorgt wurde.
In HA müssen wir jetzt noch die Entität-ID anpassen, damit man hier einen sprechenden Namen verwenden kann. Unter Einstellungen -> Geräte & Dienste -> Entitäten den Schalter mit dem Namen suchen, den man in Z2M vergeben hat. In meinem Fall „Garagentor“. Hier dann auf die Entität klicken und dann auf das Zahnrad für die Einstellungen. Hier kann man dann die Entitäts-ID festlegen, in meinem Fall „switch.garagentor“.
Configuration.yaml & Automations.yaml anpassen
Die configuration.yaml habe ich mittels File-Editor um folgenden Eintrag für ein Garagentor-Cover ergänzt:
template:
- cover:
- name: "Garagentor"
device_class: garage
#optimistic: true
state: >
{% if is_state('binary_sensor.garagenkontakt_contact', 'off') %}
closed
{% else %}
open
{% endif %}
icon: >
{% if is_state('cover.garagentor', 'open') %}
mdi:garage-open
{% else %}
mdi:garage
{% endif %}
open_cover:
- action: switch.turn_on
target:
entity_id: switch.garagentor
close_cover:
- action: switch.turn_on
target:
entity_id: switch.garagentor
stop_cover:
- action: switch.turn_on
target:
entity_id: switch.garagentor
In der automations.yaml habe ich einen Bereich eingefügt, der den Impuls für den Taster nach 500ms beendet. Dies kann man zwar auch direkt im Shelly konfigurieren, hat bei mir aber aus unerfindlichen Gründen nicht funktioniert, deshalb mittels automations.yaml.
- alias: "Garagentor Impuls beenden"
trigger:
- platform: state
entity_id: switch.garagentor
to: "on"
action:
- delay:
milliseconds: 500
- action: switch.turn_off
target:
entity_id: switch.garagentor
Zusätzlich habe ich noch eine Automation eingebaut, die benachrichtigen soll, wenn das Tor zwischen 19:00 Uhr und 08:00 Uhr länger als 10 Minuten offen steht. Ich habe hierfür absichtlich nur die abends/nachts gewählt, da es unter tags schon vorkommen kann, dass ich absichtlich die Garage länger offen haben möchte.
- alias: "Garagentor offen – Benachrichtigung"
trigger:
- platform: state
entity_id: cover.garagentor
to: "open"
for:
minutes: 10
condition:
- condition: time
after: "19:00:00"
before: "08:00:00"
action:
- service: notify.notify
data:
message: "🚗 Garagentor ist seit 10 Minuten offen!"
Abschließend habe ich das Garagentor-Cover natürlich noch ins Dashboard eingefügt. Man erhält hier einen Pfeil nach oben für das Öffnen des Tors, einen Stop-Button und einen Pfeil nach unten für das Schließen des Tors. Alle drei Träger gehen natürlich auf den selben Taster am Gerät.
Fazit
Endlich konnte ich mit relativ wenig Aufwand und Kosten meinen Hörmann Supramatic E3 smart machen, damit ich das Tor mittels Smartphone öffnen und schließen kann. Und ich wurde mit dem HA-Virus infiziert und habe mir gedanklich schon weitere Projekte zurechtgelegt, z.B. die Integration meiner S7 1200 in HA. EVCC habe ich bereits über HA integriert und meine ursprüngliche Standalone-Instanz abgeschaltet.
Ihr habt Fragen oder Anregungen? Gerne einen Kommentar hinerlassen!
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