Seit kurzem habe ich ein „Hilfsmittel“ oder „Gadget“ in meinem Arsenal, das ich jahrelang im Kontext von Naturfotografie unterschätzt habe: Ein Fernglas. Wieso ich es heute nicht mehr missen möchte und welches sich hervorragend als Begleiter in der Fotografie eignet, erfahrt ihr in diesem Artikel.
Warum Naturfotografen ein Fernglas unterschätzen
… oder zumindest, wieso ich es immer getan habe. Seit einiger Zeit habe ich meine Fotografie abseits von Reisen sehr stark auf Natur- und Vogelfotografie konzentriert. Nicht nur, dass Birding immer größere Beliebtheit auch bei jüngeren Menschen genießt, mir scheint es, als wäre es fast genetisch vorprogrammiert, dass man irgendwann im Leben eine besondere Leidenschaft für Vögel und deren Beobachtung entwickelt. Vielleicht nicht jeder, aber doch viele Menschen. Und so hat es mich irgendwann auch erwischt und ich fing an, meine Spaziergänge durch Wald und Wiesen nicht nur mit dem Makroobjektiv zu machen, sondern auch mit dem XF100-400, also einem Teleobjektiv. Mit dem Wechsel auf eine X-H2 hat es mich dann so richtig erwischt, nachdem ich a) genug Reserven zum Croppen hatte (dem 40MPx-Sensor sei Dank) und b) endlich einen richtig guten Autofokus mit Vogelerkennung kennenlernen durfte. An dieser Stelle sei mal angemerkt, dass der AF von Fujifilm sicher nicht perfekt ist, aber durchaus scharfe Fotos ermöglicht. Selbst in Kombination mit der X-H2 ohne stacked Sensor und dem relativ alten XF100-400 kann sich die Trefferquote schon sehen lassen.
Ein Problem blieb aber immer: Vögel können zwar richtig laut singen, selbst wie sie relativ klein sind, aber viele von ihnen sind auch Versteck- und Tarnkünstler. Man braucht also schon ein geübtes Auge und viel Geduld, die kleinen Kerlchen ausfindig zu machen. Das Teleobjektiv ist zwar manchmal eine Hilfe, aber meisten suche ich die Bäume eben nicht mit dem Blick durch den Sucher ab. Schnell kam also der Wunsch auf ein Fernglas anzuschaffen. Es sollte nicht zu groß und schwer sein, optisch eine gute Leistung abliefern und für meinen Anwendungszweck geeignet sein, also der Vogel und Naturfotografie. Damit sollten sich Motive schneller finden und auch mal Beobachtungen ohne Fotos machen lassen. So meine Vorstellung.
Welche Fernglastypen gibt es?
Wer sich zum ersten Mal mit Ferngläsern beschäftigt, stößt schnell auf Bezeichnungen wie 8×42 oder 10×42. Die erste Zahl gibt die Vergrößerung an, die zweite den Durchmesser der Objektivlinsen in Millimetern. Ein 10×42-Fernglas vergrößert das Motiv also zehnfach und besitzt 42 Millimeter große Objektive. Je größer diese sind, desto mehr Licht gelangt ins Fernglas – allerdings steigt damit auch Gewicht und Baugröße. Das kennen wir auch aus der Fotografie: Je Lichtstärker ein Objektiv desto größer ist die in der Regel die Frontlinse. Das ist auch der Grund, weshalb lichtstarke Teleobjektive für Vollformat Dimensionen erreichen, die man nicht mehr gerne mit sich rumträgt.
Neben diesen Zahlen spielt auch die Bauart eine wichtige Rolle. Grundsätzlich wird zwischen Porroprismen- und Dachkantferngläsern unterschieden. Porroprismen-Ferngläser sind an ihrer breiteren, versetzten Bauform zu erkennen. Sie bieten häufig ein sehr plastisches, räumliches Bild und ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis, fallen aber größer und weniger kompakt aus. Dachkantferngläser besitzen dagegen eine schlanke, gerade Bauform, sind leichter zu transportieren und meist besser gegen Staub und Feuchtigkeit abgedichtet. Deshalb dominieren sie heute im hochwertigen Outdoor-, Birding- und Naturfotografie-Bereich.
Auch die Kombination aus Vergrößerung und Objektivdurchmesser entscheidet über den Einsatzzweck:
- 8×32: Leicht und kompakt – ideal für Wanderungen, Reisen und Tageslicht. In der Dämmerung stößt diese Baugröße jedoch früher an ihre Grenzen.
- 8×42: Der klassische Allrounder. Großes Sehfeld, ruhiges Bild und gute Lichtstärke machen ihn besonders beliebt bei Vogelbeobachtern und Einsteigern.
- 10×42: Mehr Reichweite bei nahezu identischer Größe wie ein 8×42. Details auf größere Entfernungen lassen sich besser erkennen, allerdings fällt das Sehfeld etwas kleiner aus und Verwacklungen werden stärker sichtbar.
- 10×50: Sehr lichtstark und hervorragend für Beobachtungen in der Dämmerung oder auf große Distanz geeignet. Das höhere Gewicht macht sich auf längeren Wanderungen jedoch deutlich bemerkbar.

Welches Fernglas eignet sich für Birding und Naturfotografie?
Wer hauptsächlich Vögel oder andere Wildtiere beobachten möchte, steht früher oder später vor der Frage: 8-fache oder 10-fache Vergrößerung? Das ist am Ende Geschmacksache und eine Frage, welches Fernglas konkret zur Auswahl steht, denn beide Varianten haben ihre Stärken.
Ein 8×42-Fernglas gilt als klassischer Allrounder. Durch die geringere Vergrößerung wirkt das Bild ruhiger, das Sehfeld ist größer und Vögel lassen sich leichter verfolgen – vor allem im Wald oder wenn sie sich schnell bewegen. Auch längere Beobachtungen fallen angenehmer aus, da Verwacklungen weniger auffallen. Vergleicht man die Vergrößerung mit einer Objketivbrennweite, dann entspricht eine 8-fache Vergrößerung ca. 270mm APS-C oder ca. 400mm Vollformat.
Ein 10×42-Fernglas bietet dagegen mehr Reichweite. Kleine Gefiederdetails, Greifvögel in der Thermik oder Wasservögel auf einem weit entfernten See lassen sich deutlich besser erkennen. Dafür fällt das Sehfeld etwas kleiner aus und eine ruhige Hand wird wichtiger. Für Naturfotografen, die ohnehin häufig mit Teleobjektiven arbeiten und Motive auf größere Entfernungen suchen, überwiegen diese Vorteile häufig. Im Vergleich zur Objektivbrennweite liegen wir hier bei etwa 330mm APS-C oder 500mm Vollformat.
Ebenso entscheidend ist der Objektivdurchmesser. 42 Millimeter haben sich als idealer Kompromiss etabliert. Sie sammeln ausreichend Licht für Beobachtungen am frühen Morgen, in der Abenddämmerung oder im schattigen Wald, ohne das Fernglas unnötig schwer werden zu lassen. Kleinere Modelle mit 32 Millimetern sind zwar leichter, verlieren bei schlechten Lichtverhältnissen jedoch sichtbar an Helligkeit. Größere 50-Millimeter-Objektive liefern zwar noch mehr Licht, bringen aber auch deutlich mehr Gewicht mit sich – ein Nachteil auf längeren Wanderungen.
Für die meisten Naturfotografen und ambitionierten Vogelbeobachter ist ein 10×42-Fernglas deshalb ein hervorragender Kompromiss aus Reichweite, Lichtstärke und Mobilität. Es ergänzt eine Telekamera ideal und hilft dabei, Motive frühzeitig zu entdecken und ihr Verhalten zu beobachten, bevor die Kamera überhaupt zum Einsatz kommt.
Auf Basis dieser Recherche habe ich mich also auf die Suche nach einem für mich passensen 10×42-Fernglas gemacht. Aber nicht nur die die Vergrößerung und die Lichtstärke sind Eigenschaften, auf die man achten sollte.
Worauf sollte man bei einem Fernglas noch achten?
Die Vergrößerung allein sagt noch wenig über die Qualität eines Fernglases aus. Gerade wer viele Stunden draußen in der Natur verbringt, sollte auf einige Eigenschaften achten, die den Unterschied zwischen einem durchschnittlichen und einem wirklich guten Fernglas ausmachen.
Sehfeld: Ein großes Sehfeld erleichtert das Auffinden und Verfolgen von Vögeln erheblich. Besonders bei kleinen Singvögeln oder schnell fliegenden Arten sorgt ein breites Sichtfeld dafür, dass das Motiv nicht ständig aus dem Blick verschwindet.
Naheinstellgrenze: Wer nicht nur Vögel, sondern auch Schmetterlinge, Libellen oder andere Insekten beobachtet, profitiert von einer kurzen Naheinstellgrenze. Hochwertige Ferngläser ermöglichen teilweise eine Fokussierung auf weniger als zwei Meter und eröffnen damit völlig neue Beobachtungsmöglichkeiten.
Lichttransmission: Sie beschreibt, wie viel des einfallenden Lichts tatsächlich das Auge erreicht. Je höher dieser Wert, desto heller und kontrastreicher erscheint das Bild – insbesondere bei schwierigen Lichtverhältnissen in der Dämmerung oder im Wald.
ED-Glas und hochwertige Vergütungen: Moderne ED-Linsen (Extra-low Dispersion) reduzieren störende Farbsäume und verbessern die Schärfe bis zum Bildrand. Mehrfachvergütungen auf den Linsen minimieren Reflexionen und erhöhen Kontrast sowie Farbtreue. Gerade bei Gegenlicht oder feinen Gefiederstrukturen macht sich dieser Qualitätsunterschied deutlich bemerkbar.
Wasserdichtigkeit und Stickstofffüllung: Ein gutes Outdoor-Fernglas sollte vollständig wasserdicht sein und mit Stickstoff oder einem anderen Schutzgas gefüllt werden. Dadurch beschlagen die Linsen auch bei schnellen Temperaturwechseln nicht von innen – ein großer Vorteil bei Wanderungen, Regen oder winterlichen Bedingungen.
Ergonomie: Ein Fernglas begleitet seinen Besitzer oft stundenlang. Deshalb lohnt es sich, auf eine angenehme Haptik, ein griffiges Gehäuse und ein leichtgängiges, präzise arbeitendes Fokussierrad zu achten. Auch Gewicht und Balance spielen eine wichtige Rolle, insbesondere wenn zusätzlich eine Kamera getragen wird.
Wer regelmäßig draußen unterwegs ist, sollte ein Fernglas deshalb nicht ausschließlich nach der Vergrößerung oder dem Preis auswählen. Eine hochwertige Optik, gute Ergonomie und eine robuste Verarbeitung sorgen dafür, dass das Fernglas auch nach vielen Jahren noch zuverlässig seinen Dienst verrichtet – und dass die Naturbeobachtung ebenso viel Freude macht wie das Fotografieren selbst.

Das OM SYSTEM 10×42 PRO
Bei meiner Recherche wurde mir schnell klar: Ich möchte kein günstiges Einsteiger-Fernglas kaufen, das ich nach kurzer Zeit wieder ersetzen muss. Mein Ziel war vielmehr ein hochwertiges Fernglas, das mich viele Jahre begleitet und optisch mit den etablierten Spitzenmodellen mithalten kann – gleichzeitig sollte das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmen.
In der Premium-Liga stößt man schnell auf Hersteller wie Zeiss, Leica oder Swarovski. Deren Ferngläser genießen einen exzellenten Ruf und liefern ohne Frage eine herausragende Bildqualität und Verarbeitung. Allerdings bewegen wir uns hier deutlich jenseits der 2.000€-Marke, eine Summe, die ich für meinen Einsatzzweck nicht unbedingt aufbringen wollte.
Eher zufällig bin ich schließlich auf das OM SYSTEM 10×42 PRO aufmerksam geworden. OM SYSTEM ist vielen Fotografen vor allem durch seine MFT-Kameras bekannt, im Bereich hochwertiger Ferngläser steht die Marke dagegen deutlich seltener im Fokus. Umso überraschter war ich, dass in verschiedenen Testberichten und Erfahrungsberichten dem 10×42 PRO immer wieder eine optische Leistung bescheinigt wurde, die sich durchaus mit deutlich teureren Modellen namhafter Hersteller messen kann.
Natürlich ersetzt ein Fernglas für UVP 499€ kein Spitzenmodell von Swarovski oder Zeiss in jeder Disziplin. Bei der Bildqualität, Schärfe, Farbwiedergabe und Verarbeitung spielt das OM SYSTEM jedoch auf einem außergewöhnlich hohen Niveau und bietet aus meiner Sicht genau den Punkt, an dem der Zugewinn durch noch teurere Modelle in keinem sinnvollen Verhältnis mehr zum deutlich höheren Preis steht.
Ausschlaggebend waren für mich letztlich mehrere Faktoren: Die hervorragende optische Qualität, das robuste, kompakte und wetterfeste Gehäuse, die kurze Naheinstellgrenze von nur 1,5 Metern sowie das vergleichsweise geringe Gewicht von rund 665 Gramm. Gerade in Kombination mit einer Kamera + Teleobjektiv sollte das Fernglas nicht übermäßiges Zusatzgewicht verursachen.
Das OM SYSTEM 10×42 PRO hat sich für mich als ideale Ergänzung zur Naturfotografie erwiesen. Es hilft mir dabei, Vögel und andere Wildtiere deutlich schneller zu entdecken, ihr Verhalten in Ruhe zu beobachten und erst im richtigen Moment zur Kamera zu greifen. Und wer einmal durch ein Fernglas dieser Qualität geschaut hat, der wird die Landschaft nicht mehr mit dem Blick durch den Kamerasucher absuchen.
Fernglas und Kamera – die perfekte Kombination in der Praxis
Seit das OM SYSTEM 10×42 PRO einen festen Platz in meinem Fotorucksack hat, hat sich meine Arbeitsweise in der Natur spürbar verändert. Früher habe ich häufig versucht, Vögel direkt durch den Sucher oder das Display meiner Kamera zu entdecken. Gerade mit einem Teleobjektiv ist das jedoch oft mühsam: Das Sichtfeld ist klein, das Motiv schnell wieder verschwunden und nicht selten sucht man länger als nötig.
Heute greife ich zunächst zum Fernglas. Durch das große Sehfeld lassen sich Vögel deutlich schneller finden und beobachten. Oft kann ich bereits erkennen, um welche Art es sich handelt, wie sie sich verhält und ob es sich lohnt, die Kamera überhaupt in die Hand zu nehmen. Das spart Zeit und verhindert unnötige Sucherei mit dem Teleobjektiv.
Anstatt die Kamera permanent in Anschlag zu halten, kann ich die Umgebung zunächst entspannt mit dem Fernglas absuchen. Erst wenn sich ein interessantes Motiv zeigt, kommt die Kamera zum Einsatz. Das macht die Naturbeobachtung insgesamt ruhiger und bewusster – und schont ganz nebenbei auch den Kameraakku, da Sucher und Display deutlich seltener aktiv sind.
Ein weiterer Vorteil ist, dass ein Fernglas den Blick für die Natur schärft. Nicht jede Beobachtung muss zwangsläufig in einem Foto enden. Manche Momente sind einfach zu kurz oder die Tiere zu weit entfernt. Trotzdem sind sie Teil des Naturerlebnisses. Gerade das macht für mich den Reiz aus: Das Fernglas erweitert die Fotografie um eine neue Dimension. Aus dem reinen Fotografieren wird bewusstes Beobachten.

Für wen lohnt sich ein hochwertiges Fernglas?
Ein hochwertiges Fernglas ist nicht nur für ambitionierte Vogelbeobachter interessant. Auch Naturfotografen profitieren davon, Motive schneller zu entdecken, Tierverhalten zu beobachten und den richtigen Moment für ein Foto besser abzupassen.
Ebenso lohnt sich ein gutes Fernglas für Wanderer und Naturliebhaber. Viele Tiere bleiben mit bloßem Auge unbemerkt oder sind zu weit entfernt, um Details zu erkennen. Ein Fernglas eröffnet hier eine völlig neue Perspektive und macht Naturerlebnisse noch intensiver. Zumal das OM SYSTEM 10×42 PRO auch im Nahbereich ganz neue Beobachtungsmöglichkeiten bietet bei nur 1,5m Naheinstellgrenze.
Wer regelmäßig draußen unterwegs ist, wird die bessere Bildqualität, Lichtstärke und Verarbeitung eines hochwertigen Modells schnell zu schätzen wissen. Da ein gutes Fernglas viele Jahre, oft sogar Jahrzehnte genutzt werden kann, ist es eine Investition, die sich langfristig auszahlt. Das spiegelt sich auch im Garantiezeitraum des OM SYSTEM 10×42 PRO wieder: Regulär 15 Jahre, bei Registrierung sogar 25 Jahre.
Fazit
Vor dem Kauf hätte ich nicht gedacht, wie sehr ein Fernglas meine Naturfotografie bereichern würde. Heute gehört es für mich genauso selbstverständlich zur Ausrüstung wie Kamera und Teleobjektiv. Es hilft mir, Tiere schneller zu entdecken, ihr Verhalten zu beobachten und Fotos bewusster zu planen.
Mit dem OM SYSTEM 10×42 PRO habe ich ein Fernglas gefunden, das mich durch seine hervorragende Bildqualität, die robuste Verarbeitung und sein sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis überzeugt. Das Fernglas hat eine UVP von 499€, lässt sich aber immer wieder als Angebot ab 350€ finden. Für mich ist es die ideale, kostengünstige Ergänzung zur Wildlife-Fotografie.
TL;DR
- Ein Fernglas ergänzt die Naturfotografie ideal.
- Für viele Einsatzzwecke ist ein 10×42 der beste Kompromiss aus Reichweite, Lichtstärke und Gewicht.
- Wer Tierverhalten beobachtet, macht oft bessere Fotos.
- Das OM SYSTEM 10×42 PRO überzeugt mit hoher Bildqualität und einem sehr guten Preis-Leistungs-Verhältnis.
Du hast Fragen oder Anmerkungen zum OM SYSTEM 10×42 PRO oder zu Ferngläsern in der Naturfotografie im Allgemeinen? Dann gerne einen Kommentar da lassen!
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