Drei Tage im tschechischen Böhmerwald – Teil 3
Nach zwei abwechslungsreichen Tagen im Nationalpark Šumava stand zum Abschluss unseres Kurzurlaubs noch eine letzte Wanderung auf dem Programm. Dieses Mal führte uns der Weg von Antýgl nach Modrava: zunächst am Schwemmkanal entlang, dann über einen teilweise felsigen Weg direkt am Fluss und schließlich durch die Wiesen und Wälder oberhalb des Tals zurück.
Als Vorlage diente uns Tour 20 aus unserem Wanderführer (Rother „Böhmerwald“), an der wir uns im Wesentlichen orientierten. Die Mischung aus Wasser, kleinen Kletterstellen, einer gemütlichen Einkehr und offener Landschaft machte diese Runde für uns zur schönsten Wanderung der drei Tage.
Nationalpark Šumava – unsere letzte Wanderung im Böhmerwald

Nach dem Checkout im Hotel Srní verstauten wir unser Gepäck im Auto und fuhren die kurze Strecke nach Antýgl. Gegenüber dem Campingplatz fanden wir einen Parkplatz, der sich gut als Ausgangspunkt für unsere Rundwanderung eignete. Die Parkgebühr konnten wir bei unserem Besuch bequem mit Karte bezahlen.
Praktisch war auch, dass wir nach der Wanderung wieder am Auto ankommen und direkt die Heimfahrt antreten konnten. Vorher wollten wir unseren letzten Urlaubstag aber noch einmal ausgiebig draußen verbringen.
Unsere Tour im Überblick
| Tourdaten | Unsere Runde |
|---|---|
| Strecke | ca. 10,7 km |
| Aufstieg | ca. 145 m |
| Abstieg | ca. 155 m |
| Aufgezeichnete Gesamtdauer | 4 Std. 53 Min., einschließlich Pausen |
| Ausgangspunkt und Rückkehr | Antýgl, Bereich Campingplatz und gegenüberliegender Parkplatz |
| Verlauf | Antýgl – Schwemmkanal – Rechlebrücke – Modrava – Vchynice-Tetov – Schwemmkanal – Antýgl |
| Charakter | Rundwanderung mit überwiegend gut begehbaren Wegen und einzelnen felsigen Passagen am Fluss |
| Einkehr | Brauerei Lyer in Modrava |
Link zu meiner Komoot-Tour | GPX-Datei herunterladen
Entlang des Vchynice-Tetov-Schwemmkanals
Der erste Abschnitt erinnerte uns an den Weg zur Hauswaldkapelle. Wieder begleiteten wir den Schwemmkanal, wieder ging es zunächst angenehm und ohne größere Schwierigkeiten durch die Landschaft. Nach den Erlebnissen der vergangenen Tage war das ein vertrauter Einstieg.
Dabei ist der Kanal weit mehr als eine schöne Wegbegleitung. Der Vchynice-Tetov-Schwemmkanal, auf Deutsch auch Chinitz-Tettauer Schwemmkanal genannt, entstand zwischen 1799 und 1801 nach Plänen des Ingenieurs Josef Rosenauer für Fürst Josef Schwarzenberg. Er diente dem Holztransport und umging einen für die Holztrift ungeeigneten Abschnitt der Vydra. Das Brennholz wurde dabei lose im Wasser transportiert.
Wenn man heute am Wasser entlangwandert, lässt sich diese frühere Nutzung leicht übersehen. Für uns gehörte der Kanal inzwischen zu den vertrauten Bildern dieses Kurzurlaubs. Gleichzeitig erinnert er daran, wie eng die Geschichte der Gegend mit der Arbeit im Wald verbunden ist.
Die Rechlebrücke – ein Bauwerk für den Holztransport
An der Rechlebrücke erreichten wir einen besonders anschaulichen Teil dieser Geschichte. Die hölzerne Brücke steht auf steinernen Pfeilern über der Vydra und gehörte zur Anlage am Beginn des Schwemmkanals.
Ihre Aufgabe ging über das Überqueren des Flusses hinaus: Mithilfe eines Holzrechens wurde das angeschwemmte Holz aufgefangen und in den Kanal gelenkt. Die ursprüngliche Brücke entstand im Zusammenhang mit dem Kanalbau um 1800. Die heutige Holzkonstruktion ist eine Rekonstruktion. 1999 und 2000 wurden die Pfeiler instand gesetzt und der hölzerne Aufbau nach historischen Plänen erneuert.
Ab der Rechlebrücke wird der Weg wild
Ab der Rechlebrücke änderte sich der Charakter unserer Wanderung deutlich. Der zunächst gemütliche Weg wurde stellenweise richtig wild. Wir waren nun direkt neben dem Fluss unterwegs und mussten an einigen Stellen über Felsen steigen und ein klein wenig klettern.
Gerade diese Passagen machten für uns einen großen Teil des Reizes aus. Man wandert hier ganz unmittelbar am Wasser und muss zwischendurch genauer darauf achten, wohin man den nächsten Fuß setzt.
Trittsicherheit ist für diesen Abschnitt deshalb empfehlenswert. Die wenigen Höhenmeter der gesamten Runde sagen über solche Stellen nur wenig aus. Wer ausschließlich einen ebenen Spazierweg erwartet, sollte die sehr naturbelassenen Passagen bei der Planung berücksichtigen.
Uns hat dieser Wechsel ausgesprochen gut gefallen: erst der ruhige Schwemmkanal, dann der abwechslungsreiche Weg am Fluss. So blieb die Wanderung auf der gesamten Strecke spannend, auch für unsere Kinder.
Ein Lebensraum am Wasser
Eine Infotafel des Lehrpfads „Modrava – Hradlový most“, der Modrava mit der Rechlebrücke verbindet, machte uns außerdem auf die Tierwelt der Fließgewässer und ihrer Ufer aufmerksam.
Sie stellt unter anderem Fischotter, Europäischen Biber, Wasseramsel und Eisvogel vor. Auch Bachforellen sowie verschiedene Wasserinsekten gehören zu den beschriebenen Bewohnern der Böhmerwaldbäche. Die Tafel gibt damit einen schönen Einblick in das Leben am Wasser – unabhängig davon, welche Tiere man unterwegs tatsächlich zu Gesicht bekommt.
Einkehr in der Brauerei Lyer in Modrava
In Modrava angekommen, war es Zeit für eine Pause. Wir kehrten in der Brauerei Lyer ein, genossen ein herrliches Bier und aßen etwas. Nach dem teilweise felsigen Weg am Fluss kam diese Unterbrechung genau richtig. Solche Einkehrpausen gehören für uns zu einer gelungenen Wanderung einfach dazu – besonders dann, wenn man dabei ein Bier aus der Gegend probieren kann.
Anschließend machten wir uns auf den Rückweg. Der führte uns nun hinauf auf die Anhöhe und damit noch einmal durch eine ganz andere Landschaft.
Über Chinitz und Tettau auf die Anhöhe
Von Modrava aus wanderten wir durch das Gebiet der früheren Siedlungen Chinitz und Tettau, tschechisch Vchynice-Tetov. Kleine Waldstücke wechselten sich mit Wiesenparzellen ab. Nach dem Weg unmittelbar am Fluss wirkte dieser Teil der Runde deutlich offener.
Eine Infotafel mit historischen Aufnahmen erzählt von der Geschichte dieses Gebiets. Die Nationalparkverwaltung datiert die Gründung zweier Siedlungen am Fuß des Adamsbergs auf die Jahre 1790 bis 1792. Der Name Vchynice-Tetov wurde zu Ehren des damaligen Grundherrn Philipp Kinsky von Wchinitz und Tettau vergeben. Waldarbeit bildete eine wichtige Lebensgrundlage; mit dem Bau des Schwemmkanals entstanden zusätzliche Arbeitsmöglichkeiten.
Eine Wanderschule und eine Verbindung zur Hauswaldkapelle
Besonders interessant fand ich die Informationen über die frühere Schule. Anfangs fand der Unterricht jede Woche in einem anderen Haus statt – eine sogenannte Wanderschule.
1895 richtete der Förster Adolf Schimann eine Suppenanstalt für die Schulkinder ein. Außerdem engagierte er sich für die Gründung eines Ausschusses zum Neubau der Hauswaldkapelle. Damit begegnete uns auf dieser letzten Wanderung noch einmal ein Bezug zu unserem ersten Tag. Diese Angaben der Tafel werden auch im historischen Album der Nationalparkverwaltung bestätigt.
Die historischen Bilder zeigen, wie die Siedlungslandschaft früher aussah und wie beim Holzschwemmen gearbeitet wurde. Eines der abgebildeten Gebäude wird ausdrücklich als eines der wenigen erhaltenen Häuser bezeichnet.
Was von der früheren Siedlung blieb
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Bebauung von Vchynice-Tetov weitgehend abgetragen. Einzelne Häuser blieben jedoch erhalten und wurden später renoviert. Die regionalhistorische Dokumentation von Zdeněk Šmída beschreibt außerdem noch erkennbare Fundamente, Wegkreuze und steinerne Grundstücksgrenzen.
Mit diesem Wissen bekommt die Landschaft eine zusätzliche Bedeutung. Die Wiesen und kleinen Waldstücke gehören zu einem Gebiet, das früher stärker bewohnt und bewirtschaftet war.
Wir wanderten weiter durch diese abwechslungsreiche Landschaft, bis wir wieder auf den Schwemmkanal trafen. Von dort führte uns der Weg zurück hinunter nach Antýgl.
Unser Fazit zur Wanderung von Antýgl nach Modrava
Diese Runde hat uns von allen Wanderungen unseres Kurzurlaubs am besten gefallen. Der ruhige Einstieg am Schwemmkanal, die teilweise felsigen Passagen direkt am Fluss, die Einkehr in der Brauerei Lyer und der Rückweg durch Wiesen und kleine Waldstücke ergaben eine ausgesprochen abwechslungsreiche Tour.
Dabei brauchte es weder einen hohen Gipfel noch besonders viele Höhenmeter. Für uns war es die Mischung, die diesen Tag so schön gemacht hat.
Die Wanderung war damit der krönende Abschluss unserer drei Tage im tschechischen Böhmerwald.
Unser Fazit zum Hotel Srní – eine gute Basis für einen Aktivurlaub
Auch mit unserer Unterkunft waren wir rückblickend sehr zufrieden. Das Hotel Srní war für unsere Zwecke gut geeignet und bot uns eine praktische Basis für die Wanderungen in der Umgebung.
Direkt am Hotel steht ein großer Parkplatz zur Verfügung. Unsere Zimmer waren geräumig und modern eingerichtet. Auch den Speisesaal empfanden wir als angenehm: Er ist zwar groß, wir fanden ihn aber weder besonders laut noch unruhig.
Die Auswahl am Buffet war gut. Auch als Vegetarier fand ich ausreichend zu essen. Da ich die böhmische Küche während unseres Aufenthalts eher als fleischlastig erlebt habe, war das für mich durchaus ein Pluspunkt. Wer gerne Fleisch isst, dürfte mit der Auswahl ebenfalls gut zurechtkommen.
Besonders positiv blieb uns das freundliche Personal in Erinnerung. Viele Mitarbeiter konnten gut Deutsch oder Englisch, sodass die Verständigung unkompliziert war. Überhaupt haben wir die Menschen, denen wir während unseres Kurzurlaubs begegnet sind, als sehr freundlich wahrgenommen.
Auch das Preis-Leistungs-Verhältnis fanden wir gut.
Versorgung und Freizeitmöglichkeiten in Srní
Im Ort gibt es einen kleinen Supermarkt, in dem wir alles Nötige für die Verpflegung auf Wanderungen und kleine Snacks für zwischendurch fanden. Dort gibt es auch lokale Biere zu kaufen. Eines davon zu probieren, gehört für mich bei einem Aufenthalt in der Gegend dazu.
Zum Hotelangebot gehören außerdem verschiedene Freizeitmöglichkeiten. In einem Nebengebäude, nach unserer Einschätzung etwa 150 Meter entfernt, befindet sich eine Sporthalle, die gegen Gebühr genutzt werden kann. Dort gibt es weitere Aktivitäten, darunter einen digitalen Schießstand, den wir selbst ausprobiert haben.
Das Hotel verfügt außerdem über ein Hallenbad und eine Sauna. Beides haben wir wegen des schönen Wetters nicht genutzt – wir waren lieber draußen unterwegs.
Insgesamt bot uns das Hotel Srní damit die Annehmlichkeiten, die wir uns für einen Aktivurlaub wünschen, und das mitten im kleinen, idyllischen Ort Srní.

Drei Tage im tschechischen Böhmerwald
Mit der Rückkehr nach Antýgl endete unsere letzte Wanderung und damit auch unser Kurzurlaub im Nationalpark Šumava.
Wir hatten in diesen drei Tagen unterschiedliche Seiten der Gegend kennengelernt: die Wölfe bei Srní und die Hauswaldkapelle, das wilde Vydra-Tal und schließlich diese abwechslungsreiche Runde nach Modrava. Besonders gut gefallen hat uns, wie sich Wasser, Wald, offene Landschaft und die Geschichte der Region auf den Wanderungen miteinander verbinden.
Für uns waren es drei rundum gelungene Tage – mit einer letzten Tour, die wir besonders gern in Erinnerung behalten.
Warst du schon einmal im Nationalpark Šumava unterwegs? Welche Wanderung hat dir dort besonders gut gefallen? Schreib mir deine Erfahrungen und Tipps gerne in die Kommentare – ich freue mich auf den Austausch!
Drei Tage im Nationalpark Šumava – alle Teile unserer Reise
Teil 1: Wandern im Nationalpark Šumava – Wölfe und die Hauswaldkapelle bei Srní
Teil 2: Wandern im Nationalpark Šumava – durch das wilde Vydra-Tal
Teil 3: Wandern im Nationalpark Šumava – von Antýgl nach Modrava (dieser Artikel)
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